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Glossar

Glossar wichtiger Begriffe für den materialgerechten Einsatz der OPTUL-Produkte

AK:

Abkürzung für Ausdehnungskoeffizient, technisch richtig Wärmeausdehnungskoeffizient, linear oder kubisch. Dieser Koeffizient wird mit Hilfe des Dilatometers festgestellt und bezieht sich auf einen bestimmten Temperaturabschnitt, siehe Klassifizierung nach AK.

Anlauffarben:

Gläser mit Gold (0015, 4005, 4015, 4025, 4026), mit Silber (0165, 0185) oder mit Selen (alle Farben deren Nummer mit „1“, z.B. die transparente Anlauffarbe 1015 Rot oder deren Nummer mit „2“ beginnt, z.B. die opake Anlauffarbe 2015 Rotopal) gefärbt. Sie verändern die Farbe und/oder Transparenz in verschiedenen Temperaturbereichen, bei verschiedenen Haltezeiten auf hohen Temperaturen, bei wiederholtem Erhitzen und/oder beim Abkühlen. Der Glastechniker nennt dies „Anlaufen“.

Entglasung:

Die Kristallisation der Oberfläche eines verschmolzenen Flachglases, des gesamten verschmolzenen Flachglases oder der Schmelze eines Stückes Pâte de Verre nennt man „Entglasung“. Diese entsteht wenn das Schmelzgut zu lange der so genannten „kritischen Entglasungstemperatur“ ausgesetzt wurde, bzw. technisch minderwertiges Glas verwandt wurde oder bei einer Kombination aus beiden. Die kritische Entglasungstemperatur liegt, je nach Glasart, zwischen 600 und 700°C. Um die beschriebene Entglasung zu vermeiden, ist der genannte Temperaturbereich schnell zu durchschreiten – sowohl beim Aufheizen als auch beim Abkühlen. Die matte Oberfläche eines entglasten Produktes kann durch Auftrag unserer Überglasur ULLSOLL-BF/II und Wiedererhitzung auf mindestens 700°C glänzend gemacht werden. Ist bekannt, dass ein Flachglas entglast, ist das Aufbringen von ULLSOL vor dem Verschmelzen Erfolg versprechend – ein zweiter Brand daher nicht mehr nötig.
Die Eigenschaft des „Glasfehlers Entglasung“ wird in der Herstellung von Glaskeramik eingesetzt.

Floatglas:

Das „Geheimnis“ der Herstellung beidseitig hochglänzendem Flachglases besteht darin, dass die rotglühende Endlosscheibe vor dem Entspannen auf schmelzflüssigem Zinn schwimmt (daher „Float“). Durch dieses Verfahren wird die Unterseite geglättet und poliert = Zinnseite. Die entgegengesetzte Seite erhält diese Eigenschaft durch Feuerpolitur = Feuerseite.
Auf der Zinnseite, besonders bei dicken Scheiben, können sich Zinnrückstände befinden. Diese können die Farbe von Selengläsern verändern. Deshalb sollten Farbglasprodukte grundsätzlich auf der Feuerseite aufgeschmolzen werden. Die Zinnseite lässt sich in UV-Licht oder mit Hilfe der Pinsel/Wasserkontraktion feststellen.
Es besteht weit verbreitet die Meinung „Float ist Float“. Dies ist keineswegs so. Wir stellen in vielen Proben mit Gläsern verschiedener Herkunft große Ausdehnungsunterschiede fest.

In eigener Sache:

Das für die OPTUL-Produkte benötigte Rohglas in Form von Brocken lassen wir, nach unseren Angaben, von Glashütten in Europa und USA herstellen. Im Normalfall ist dies ein kompletter Hafen mit einem Inhalt von 300 bis 400 kg, je nach Hafengröße und dem spezifischen Gewicht des Farbglases. Bevor wir die Brocken abrufen, testen wir eine Probe jeder Schmelze auf Farbe und Härte. Die Farbe wird mit unserem Farbstandard verglichen, die Härte mit einem Schneider Spannungsprüfer festgestellt. Erst wenn beide Parameter unserem Standard entsprechen, werden die Brocken abgerufen und der Veredelung bei OPTUL zugeführt.

Klassifizierung nach AK:

Natürlich wissen wir, dass die Verträglichkeit (compatibility) von Gläsern nicht nur vom linearen, thermischen Ausdehnungskoeffizienten abhängt, sondern auch von Homogenität, Oberflächenspannung, Viskosität, Entspannungsqualität, usw. beeinträchtigt wird. Nachdem sich in jüngster Zeit die „AK-Klassifizierung“ eingeführt hat, benützen auch wir diesen Wert.
Im Normalfall wird die Ausdehnung zwischen 20 und 300 °C gemessen. AK 82 z.B. bedeutet, gemessen an unserem Standard-Floatglas 82,83 im Thermobereich 20/300°C und 87,09 im Bereich 20/400°C – festgestellt durch ein anerkanntes Analysezentrum. Auf diese Ausdehnung sind unsere FF-Farben eingestellt. Eine Verträglichkeitsprüfung ist dennoch unumgänglich.

Lebrigwerden:

Gold- und Selenrubine erscheinen in Wasser geschöpft – dem ersten Schritt zur Verarbeitung zu Granulaten – kristallin his hellgelb, grünlich bis bläulich, der angelaufenen Farbe ähnlich, oder eine Mischung all dieser Varianten. Die tatsächliche Farbe erscheint erst nach fachgerechter Hitzebehandlung. Bei falscher Behandlung treten Verfärbungen – auch opake – auf. Wir Glasmacher nennen dies „Lebrigwerden“.

Lötzfarben:

Die OPTUL-Farben 5010 gelb/gold, 5020 blaugrün/gold, 5030 grün/gold und 5040 grau/gold waren die Basisfarben der berühmten Jugendstilhütte „Joh. Lötz Wwe.“ in Klostermühle im südlichen Böhmerwald. Sie werden nach Originalrezepturen unseres Vorfahren Johann Gottlieb Schneider, eines Zulieferers von Lötz, geschmolzen. Um den Goldeffekt zu erreichen müssen die Farbgranulate auf die Aussenoberfläche des (geblasenen) Glases aufgetragen werden.
Um den natürlichen Goldeffekt zu erhöhen wird mit „Hütteniris“ irisiert. Dies geschieht indem das fertig geformte Glasstück in einer „Irisiertrommel“ mit Irisiermischung besprüht – evtl. auch wiederholt – und rückerwärmt wird.
Das „Urrezept“ der Irisiermischung – jeder Glasmacher schwört auf „seine“ spezielle Mixtur – ist in Wasser aufgelöstes Zinnchlorid, mit Spiritus so weit verdünnt, dass es sich gemäß der benützten Sprühtechnik gleichmäßig aufsprühen lässt. Die durch das Zinnchlorid erreichten Regenbogenfarben lassen sich nach braun verschieben, indem man Eisenchlorid zusetzt, nach blau durch Beigabe von Goldchlorid, usw.
Reine Eisenchloridirisierung ergibt das – hauptsächlich in USA – weit verbreitete „Carnival glass“. Reine Goldchloridirisierung verwandten Tiffany und Carder für deren „Aurenegläser“.
Bei der Verarbeitung von Lötzfarben „vor der Lampe“ ist ein Irisieren oft nicht notwendig. Wiederholtes Rückerhitzen in reduzierter Flamme erzeugt meist den gewünschten Goldeffekt.

Opalgläser:

Gläser deren Bezeichnung mit „2“ oder „3“ beginnt und das Goldrosaopal 4025. Sie können bei unterschiedlichen Temperaturen oder Temperaturbehandlungen ihre Opazität bis zur partiellen oder kompletten Transparenz verlieren, behalten aber ihren Farbton. Typisches Beispiel dieser Eigenschaften sind die „Jade- und Lapis-Jugendstilgläser“ der Firma Josef Riedel in Unterpolaun, die „Hyalith- und Lithyalingläser“ von Friedrich Egermann in Blottendorf bei Haida und in jüngerer Zeit die „ring mottles-„ und „cats paw- „ Flachgläser aus den USA.

Verfärbung von Selengläsern:

Neben dem bereits beschriebenen Anlaufeffekten (Anlauffarben) verändern sich die Gläser farblich – bis hin zu schmutzigen Grau- und Brauntönen –bei Verarbeitung in stark reduzierender oder stark oxydierender Atmosphäre, in Kontakt mit metalloxydhaltigen Gläsern oder mit organischen Stoffen – z.B. bei übermäßiger Verwendung von Fusingkleber. Dieser „Fehler“ kann, richtig angewendet, interessante Farbvarianten ergeben.

Verträglichkeitsprüfung mit einem Spannungsprüfer (Polarisationsgerät):

Zwei Gläser werden verschmolzen und im polarisierten Licht beobachtet. Spannungen erscheinen in der Weißzone in Regenbogenfarben, in der Grauzone in verschiedenen Grautönen. Diese Art der Prüfung ist die einzige, die sorgfältige Resultate liefert – allerdings sind Polarisationsgeräte teuer.

Verträglichkeitsprüfung per Fadenprobe:

Zwei kleine Posten der zu verarbeitenden Gläser werden in gleicher Menge übereinanderliegend verschmolzen und zu einem Faden von etwa 300mm Länge und einer Stärke von etwa 1x2mm ausgezogen und solange in Spannung gehalten bis das Glas vollkommen ausgekühlt ist. Bleibt der Doppelfaden gerade, sind beide Gläser verarbeitbar. Ist der Faden gebogen, ist das Glas der konkaven Seite zu weich, bzw. das der konvexen Seite zu hart. Diese Art der Prüfung sollte nur bei sehr kleinen Glasmengen, z.B. Wickelperlen, angewandt werden.

Verträglichkeitsprüfung per Ringprobe:

Bei der Verarbeitung von mehrschichtigen farbigen Hohlgläsern ist die „Ringprobe“ ein notwendiges „Muss“. In eine zylindrische Blasform von einem Durchmesser von etwa Ø 80-100 mm und gleicher Höhe wird ein Hohlkörper von etwa 4mm Wandstärke geblasen, beide zu prüfende Gläser zu möglichst gleichen Teilen. Nach guter Entspannung werden aus dem Zylinder Ringe von etwa 25 oder 30 mm Höhe gesprengt und an einer Stelle aufgeschnitten. Bleibt der Ring geschlossen, stimmt die Härte beider Gläser überein. Schiebt sich der Ring übereinander oder öffnet er sich, passen die Gläser nicht zusammen. Wieweit ein solches Glas verarbeitbar ist, muss empirisch ermittelt werden.

Verträglichkeitsprüfung von Flachglas mit der von OPTUL entwickelten einfachen und billigen Methode der EASY TEST Leistenverschmelzung:

in vier Vertiefungen der Keramikform (3 + 4 + 5 + 6 mm, entsprechend der meist benützten Flachglasstärken) wird ein möglichst genau passender Streifen Flachglas gelegt und darauf entweder ein anderes Flachglas gelegt oder mit dem zu testenden Farbgranulat aufgefüllt. Bleibt nach dem Schmelzen und Kühlen (Entspannen) die Leiste gerade, sind beide Gläser kompatibel. Ist – von der Auflageseite aus gesehen – die Leiste konkav, ist das untere Glas weicher; ist sie konvex, ist das untere Glas härter. Die Biegung wird mit einer einfachen Lehre gemessen und empirisch erprobt wie viel Biegung noch als kompatibel bezeichnet werden kann.